{"id":268026,"date":"2015-11-12T16:10:23","date_gmt":"2015-11-12T21:10:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.noom.com\/unkategorisiert\/hausarzt-ulrich-pauer-am-anfang-der-erkrankung-muss-der-patient-sehr-viele-informationen-bewaltigen\/"},"modified":"2024-05-15T16:00:13","modified_gmt":"2024-05-15T20:00:13","slug":"hausarzt-ulrich-pauer-am-anfang-der-erkrankung-muss-der-patient-sehr-viele-informationen-bewaltigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.noom.com\/de\/blog\/hausarzt-ulrich-pauer-am-anfang-der-erkrankung-muss-der-patient-sehr-viele-informationen-bewaltigen\/","title":{"rendered":"Hausarzt: Am Anfang von Diabetes m\u00fcssen viele Infos bew\u00e4ltigt werden"},"content":{"rendered":"\n<p>1. Ein Patient, der mit Diabetes Typ 2 rechtzeitig diagnostiziert wird, hat die M\u00f6glichkeit, durch \u00c4nderung des Lebensstils das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern, und gar seine Blutzuckerwerte wieder in den Normalbereich zu bekommen. Nichts desto trotz entscheiden sich einige Patienten, trotzdem nichts zu \u00e4ndern, und stattdessen Medikamente zu nehmen.<br><br>Wie sind Ihre Erfahrungen in der Hinsicht, und wie erkl\u00e4ren Sie sich das Verhalten?<br>Ich glaube, dass Verhaltens\u00e4nderungen sehr schwierig zu bewerkstelligen sind. Es braucht einen Impuls, eine Entscheidung des betroffenen Menschen, eine Umsetzung, eine Kontrolle des Verhaltens und das Durchhalten dieser Ver\u00e4nderung \u00fcber sehr lange Zeit. Dabei geht es nicht allein um eine Automatisierung von Verhaltensweisen, sondern um eine \u00dcberwindung m\u00e4chtiger Antriebe, die ihren Ursprung in tiefen Hirnregionen (z.Bsp. dem Belohnungssystem) haben und die auch hormonell beeinflusst werden. So ist es f\u00fcr mich erkl\u00e4rbar, dass die &#8220;R\u00fcckfall&#8221;rate \u00fcbergewichtiger Menschen nach einer Gewichtsabnahme deutlich h\u00f6her als 90% ist.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Herr Pauer, Sie empfehlen bestimmten Patienten die App Noom. Welche Patientengruppen, insbesondere hinsichtlich Diabetes, sind dies?<br><br>Die App Noom empfehle ich gerne diabetischen Patienten, die ein deutliches Problem mit dem \u00dcbergewicht haben und abnehmen WOLLEN und ein m\u00e4chtiges und nachhaltiges Unterst\u00fctzungmittel brauchen. Einschr\u00e4nken sollte ich vielleicht, dass am Anfang der Erkrankung der Patient sehr viele Informationen bew\u00e4ltigen muss. In sehr vielen F\u00e4llen sind die NOOM Grunds\u00e4tze absolut kompatibel zu Empfehlungen bei Diabetespatienten. Ich meine beispielsweise, dass es keine isolierte Bevorzugung oder Verdammung eines Nahrungsbestandteils wie beispielsweise Kohlenhydrate gibt, die Empfehlung zur moderaten Gewichtsabnahme und die Fokussierung auf die Nahrungsmittel mit geringerer Energiedichte etc..<br>Bei wenigen Patienten zum Beispiel mit Typ 1 Diabetes, die ihre aufzunehmenden Kohlenhydrate absch\u00e4tzen m\u00fcssen, um Insulindosierungen zu berechnen, w\u00e4re NOOM mit der kcal Berechnung zumeist eher verwirrend.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Welche Zielsetzungen verfolgen Sie und die Patienten durch den Einsatz der App?<br><br>Das Ziel liegt zumeist im Wunsch nach einer Gewichtsabnahme. Viele m\u00f6chten mehr \u00fcber das Essen und den Energiegehalt der Speisen lernen. Ich pers\u00f6nlich finde es einfach beeindruckend, dass mir die App eine Selbstkontrolle gestattet, die ebenso effektiv ist wie eine Fremdkontrolle in einer Weight Watcher Gruppe. Die H\u00fcrde, damit anzufangen erscheint mir auch niedriger zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Wie genau werten Sie mit den Patienten die in der App gesammelten Daten aus, bzw. nicht?<br><br>Ja, das w\u00e4re traumhaft, wenn ein Coaching der Patienten im Gespr\u00e4ch mit Hilfe der App m\u00f6glich w\u00e4re. Ich habe mich &#8211; offen gesagt &#8211; darauf beschr\u00e4nkt, an die App zu erinnern und nochmals nachzufragen. Aber ich finde Ihre Anregung gut und werde das demn\u00e4chst ausprobieren.<\/p>\n\n\n\n<p>5. Worauf m\u00fcssen die unter 2. genannten Personen in ihrer Ern\u00e4hrung besonders achten?<br><br>Die Ern\u00e4hrung wird im wesentlichen durch die Medikamente bestimmt. Bei der Behandlung mit einigen Medikamenten reicht von Seiten des Diabetes die Empfehlung, keine extremen &#8220;Di\u00e4ten&#8221; zu verwenden (z.Bsp. unter 800 &#8211; 1000 kcal), das funktioniert nicht bei Einnahme von Metformin. Bei anderen modernen Medikamenten ist eine ausgewogene Ern\u00e4hrung genau so m\u00f6glich, wie NOOM es immer wieder verdeutlicht.<br>Medikamente, die eine Unterzuckerung verursachen k\u00f6nnen, ben\u00f6tigen unbedingt Blutzucker erh\u00f6hende Kohlenhydrate zu den Mahlzeiten. Dies sollten bevorzugt komplexe Kohlenhydrate, also beispielsweise Vollkornprodukte sein. Zu diesen Medikamenten geh\u00f6ren \u00e4ltere Medikamente und nat\u00fcrlich Insulin. Falls diese Regeln oder Rechnungen mit Broteinheiten BE oder Kohlenhydrateinheiten KE (= 10 g KH) zu kompliziert werden, kann NOOM mit seinem anders gearteten Ansatz verwirren. Dies sollte zwischen Arzt und Patienten gut gekl\u00e4rt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>6. Wir m\u00f6chten als Noom vermeiden den Eindruck zu erwecken, dass jemand an Diabetes selbst &#8220;schuld&#8221; ist. Wie w\u00fcrden Sie dieses Argument entkr\u00e4ften, auch hinsichtlich der anderen existierenden Arten von Diabetes als Typ 2?<br><br>Diabetes Typ 2 hat \u00fcberwiegend eine genetische Ursache. Bei einem betroffenen Elternteil betr\u00e4gt das Risiko f\u00fcr die Nachkommen \u00fcber 60%, ebenfalls einen Diabetes zu bekommen. Sind beide Elternteile betroffen, w\u00e4chst das Risiko auf \u00fcber 90%. Das hei\u00dft, dass niemand Schuld sein kann, wir k\u00f6nnen uns unsere Eltern nicht aussuchen. F\u00fcr mich hei\u00dft das im Umkehrschluss auch, dass die &#8220;Selbstbehandlung&#8221; durch einen gesunden Lebensstil (Bewegung, Ern\u00e4hrung) die ganze Familie betreffen sollte. Die Kinder der betroffenen haben ja ebenfalls ein Risiko und eine Pr\u00e4vention ist am effektivsten, wenn sie so fr\u00fch wie m\u00f6glich begonnen wird.<br>Typ 1 Diabetes ist dagegen eine Autoimmunerkrankung, sie trifft Menschen so schicksalshaft wie Rheuma, es werden momentan eine Reihe von Interventionen zur Pr\u00e4vention beforscht. Es gibt aber keine aktuellen Empfehlungen f\u00fcr erwachsene Menschen zur Vorbeugung. Wir haben auch hier keine Macht \u00fcber diese Erkrankung. Dies gilt auch f\u00fcr seltene andere Diabeteserkrankungen (MODY Diabetes), die genetische Ursachen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>7. Was w\u00e4re Ihnen au\u00dferdem wichtig zu erw\u00e4hnen?<\/p>\n\n\n\n<p><br>Mir ist besonders wichtig, darauf hinzuweisen, dass bei dem Wunsch zur Gewichtsabnahme die Patienten sich kleine Ziele vornehmen. Selbst bei stark \u00fcbergewichtigen Patienten verbessern f\u00fcnf Kilogramm Gewichtsabnahme viele gesundheitliche Parameter wie Blutdruck, Blutzucker, k\u00f6rperliche Fitness usw. Schlie\u00dflich motiviert das Erreichen selbstgesteckter Ziele den Patienten am besten, und das Risiko des Scheiterns nimmt ab, wenn Ziele erreichbarer werden. Ein letztes Wort zur Achtsamkeit: Dieser vielleicht zur Zeit etwas abgenutzte Begriff ist ein wichtiger Schl\u00fcssel zum Umgang mit dem eigenen K\u00f6rper. Wenn wir uns bewusst machen, wie Hunger, Durst und Essen funktionieren, und wenn wir ein Gef\u00fchl f\u00fcr unseren K\u00f6rper und unsere Bed\u00fcrfnisse entwickeln, k\u00f6nnen wir ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr unser Verhalten aufbauen. Das ist der Schl\u00fcssel daf\u00fcr, Automatismen wahrzunehmen und dann anders handeln zu k\u00f6nnen. Ich finde, NOOM hilft dabei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.noom.com\/uploads\/2022\/09\/Bildschirmfoto-2015-11-12-um-17.08.57.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.noom.com\/uploads\/2022\/09\/Bildschirmfoto-2015-11-12-um-17.08.57.jpg\" alt=\"Noom App Tagebuch\" class=\"wp-image-1621\"\/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Ein Patient, der mit Diabetes Typ 2 rechtzeitig diagnostiziert wird, hat die M\u00f6glichkeit, durch \u00c4nderung des Lebensstils das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern, und gar seine Blutzuckerwerte wieder in den Normalbereich zu bekommen. Nichts desto trotz entscheiden sich einige Patienten, trotzdem nichts zu \u00e4ndern, und stattdessen Medikamente zu nehmen. 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